(Der Ausgangspunkt folgender Geschichte ist die Darstellung des Gemäldes »Nachtschwärmer« von Edward Hopper. Der Autor hat sich dabei die Freiheit herausgenommen, das vom Maler gewählte Thema sträflich zu vernachlässigen und stattdessen sein eigenes zu kreieren.)
Der dünne Schleier aus Rauch und Asche, der wie eine Unwetter
verheißende Wolkendecke über den Nachthimmel zog, tauchte den Mond in
diffus rotes Licht. Rot wie das Blut ganzer Generationen, die heute
Nacht ihr plötzliches Ende finden würden. Ein Ende, das mit einem Knall
kommen würde, wie es hieß, mit durchdrehenden Menschen, die sich panisch
augenrollend ihr eigenes Gedärm aus dem Leib reißen würden, mit
brennenden Straßenzügen, Schreien und jaulenden Sirenen, soweit die
angstgeschwängerte Luft den Schall tragen würde. Stattdessen war alles
ruhig. Ausgestorbene Straßen wie tote Adern in einer sterbenden Welt. Im
Phillies an der Ecke Zehnte Straße, Moonlight Boulevard brannte das
kalte Licht einer versiegenden Moderne.
Joanne Parker saß stumm
an der Bar. Sie trug ihr rotes Kleid. Eigentlich hätte sie gern mit
ihrem Mann Peter einen Ausflug unternommen, einen letzten nächtlichen
Streifzug dem Ende entgegen. Joanne hatte den Gedanken gemocht, ihn
romantisch gefunden, doch Peter hatte das Haus nicht verlassen wollen.
Lieber hatte er Vorbereitungen getroffen. Vorbereitungen! Wie
lächerlich, dachte Joanne und nahm einen tiefen Zug ihrer Zigarette.
Ihrer vorletzten, sagte sie sich. Eine würde sie noch rauchen, dann
sollte Schluss sein.
Näher an ihr, als er es sich selbst offen
eingestanden hätte, saß Guy Tanon auf seinem Hocker. Die Zigarette, die
zwischen seinen Fingern klemmte, war bereits zu einem Stummel
heruntergebrannt, der Kaffee - schwarz -, längst kalt. Guy hatte seinen
Hut aufgesetzt und flugs das Haus verlassen, als er Joanne
vorbeischlendern sehen hatte. Er war ihr schlicht nachgelaufen wie ein
höriger Hund seiner Herrin. Doch so auffällig war das nicht, verbrachte
Guy doch seine Abende häufiger im Phillies als Joanne. Genau genommen
hatte er sie nie zuvor hier gesehen. Ihr Mann Peter, den Guy im
Gegensatz zu Joanne nur flüchtig kannte, war nicht die Art Kerl, die
sich die Abende außer Haus um die Ohren schlug. Joanne hatte das
irgendwann einmal erzählt.
Etwas abseits saß ein Mann still und
regungslos wie ein steinerner Götze, den Guy nicht kannte. Zuerst hatte
er gedacht, der Kerl würde Joanne und ihn beobachten, unauffällig den
Hut lupfen, dessen Krempe er sich tief ins Gesicht gezogen hatte, doch
dem war nicht so. Tatsächlich starrte der Fremde nur. Er trank nichts,
keinen Kaffee, kein Wasser. Starrte einfach vor sich.
Guy hätte
diesen Typ seltsam gefunden - in anderen Nächten, nicht in dieser. Heute
waren sie alle gleich, sie alle waren Nachtschwärmer. Niemand würde in
dieser Nacht schlafen, niemand würde es sich nehmen lassen, ein
allerletztes Mal seinen Gedanken nachzuhängen, sie bis zum Ende zu
denken und zu bringen, was zum Ende gedacht und gebracht werden konnte.
Und musste.
Nur Barney machte seinen Job und schenkte Getränke
aus. »Heute, nur heute geht alles aufs Haus«, hatte Barney feierlich
gesagt und breit gegrinst. Guy beneidete ihn um seine Standfestigkeit.
Ein Mann, der nicht zögerte, nicht wankte oder nachgab, selbst im
Angesicht des Untergangs, war ein wahrer Mann. Wie viele von solchen es
wohl noch geben mochte in einer Zeit, die sie an den Punkt gebracht
hatte, an dem sie alle jetzt standen? Guy wusste keine Antwort und trank
einen Schluck seines kalten Kaffees.
»Barney, das Zeug hier ist
kalt wie schwarzes Eis. Kannst du mir einen neuen machen?«, rief Guy
über die Theke. Das plötzliche Erklingen einer Stimme inmitten der
apokalyptischen Stille, die nur vom Summen der kühl leuchtenden
Neonröhren durchzogen war, ließ Joanne vor Schreck hochfahren.
»Ich ... ich wollte Sie nicht erschrecken, Joanne«, sagte Guy und
berührte für eine Sekunde ungewollt ihre Hand. Hatte sie tatsächlich so
weiche Haut, oder hatte er sich das nur eingebildet?
Joanne sah
ihn an, schüttelte den Kopf, als würde sie versuchen, schwere Gedanken
wie einen großen Haufen altes Laub von sich zu werfen, dann lächelte
sie. »Oh, das ... das ist nicht Ihre Schuld. Ich habe ... nur
nachgedacht.«
»Nachgedacht? Worüber denkt eine so wunderbare Frau
wie Sie in der Nacht der Nächte nach? Und warum tut sie es allein? Wo
ist Peter?«, fragte Guy. »Danke Barney«, sagte er dann, als dieser ihm
eine neue Tasse mit frisch gebrühtem Kaffee reichte.
»Gern doch.
Und stell der hübschen Lady nicht so viele Fragen, Guy. Mit den
Antworten kannst du sowieso nicht mehr viel anfangen.« Barney zwinkerte
ihm zu und begann dann, die Theke zu putzen. War das zu fassen? Er
putzte die Theke.
»Peter ist ... er ist zu Hause geblieben. Mein
Mann verbarrikadiert sich lieber und schützt das Haus vor marodierenden
Banden und durchgeknallten Nachbarn«, sagte Joanne. »Ich ... ich wäre
lieber ausgegangen. Mit ihm, meine ich. Bis dass der Tod uns scheidet,
heißt es doch. Verstehen sie? Ich habe es da nicht mehr ausgehalten. Was
bringen denn Gewehre und Bretter vor den Fenstern jetzt noch?«
»Stattdessen sitzen Sie in einer Bar, rauchen und schauen dem guten
Barney beim Putzen zu, was?«, murmelte Guy und lächelte frech.
Joanne funkelte ihn böse an. »Ihren Zynismus können Sie sich sparen.
Was verstehen Sie denn davon?« Aufmüpfig warf sie den Kopf zurück, so
dass ihr rot schimmerndes Haar in Wallung geriet. Feuer, war Guys erster
Gedanke. Ihr Ärger war gespielt. Welch atemberaubende Frau!
»Wovon meinen Sie denn, verstehe ich nichts?«
»Davon wie es ist, jemanden zu lieben und geliebt zu werden. Sie leben
doch allein, oder nicht? Ganz für sich, Tag für Tag. Glauben Sie, ich
habe meinen Mann freiwillig zu Hause gelassen? Ich wollte weg, weg mit
ihm. Ich wollte nicht in einer dunklen Höhle sterben.« Sie schnaubte
übertrieben und wandte sich elegant ab.
Guy kicherte leise. »Wissen Sie, was ich glaube, Joanne? Wollen Sie wissen, was ich wirklich glaube?«
»Was glauben Sie denn?«, frage Joanne, ohne ihn anzusehen.
»Ich glaube, Sie wollten es noch einmal wissen. Sie behaupten, Sie
wären gern mit Peter ausgegangen, ein letztes Mal. Wahrscheinlich
glauben Sie selbst daran, aber Joanne, ich weiß es besser. Ihr Kleid,
Ihr zurechtgemachtes Haar, verdammt noch mal, Sie sehen bezaubernd aus!
Sie sind eine blühende Blume in einem verwitterten Feld! Der einzige
Farbtupfer, den es in dieser verblassten Fotografie der Welt noch gibt.«
»Sie ... Sie Unhold, Sie! Sie halten mich für ein Flittchen!«, keifte
Joanne. »Barney, werfen Sie diesen ungehobelten Klotz raus!« Mit der
Hand holte sie aus, um Guy eine Ohrfeige zu verpassen, doch dieser fing
sie elegant ab und schloss ihre Finger sanft in seine eigenen. Nur für
einen kurzen Moment, dann entwand sie sich seinem Griff.
»Joanne,
ich halte Sie nicht für ein Flittchen. Ich halte Sie für eine Frau, die
selbständig denkt, die Feuer hat. Eine Frau, die weiß, was sie will.
Sie wollen es allen zeigen, Joanne, vor allem sich selbst. Sie wollen
der Welt den Kopf verdrehen. Vielleicht, ja, vielleicht wollen Sie sich
selbst etwas beweisen. Doch viel mehr glaube ich, dass Sie der ganzen
Welt beweisen wollen, wie viel Feuer tatsächlich in Ihnen steckt. Sie
sind nicht das Heimchen Ihres Mannes, Joanne. Ich weiß es, ich sehe es.
Jeder Zentimeter Ihres Körpers schreit danach, heute Nacht begehrt zu
werden!«
Joanne zog ein letztes Mal an ihrer Zigarette, dann
drückte sie den Stummel in den Aschenbecher. Ein winziges Lächeln
umspielte ihre Lippen und verschwand sofort wieder. »Sie wissen viel,
Guy«, sagte sie ganz ruhig. »Sie glauben, viel zu wissen. Und Sie haben
ein loses Mundwerk. Haben Sie etwa getrunken, hm? Ja, Guy, haben Sie
etwa Alkohol getrunken? Alkohol ist verboten.« Barney lachte laut auf
und schüttelte wortlos den Kopf.
»Verboten? Was zählen Verbote in
einer Welt, in der keine Zeit mehr für Strafen bleibt?«, warf Guy ein.
Joanne konnte nicht anders, als ihm anerkennend zuzunicken. Wo er recht
hatte, da hatte er nunmal recht, auch wenn er ein Grobian war.
»Wenn Sie wissen, was ich heute Nacht will, Guy, und das auch noch so
laut herausposaunen, dass alle Welt es hören kann, dann denke ich, wäre
es doch nur fair, wenn Sie uns erzählen, was genau Sie möchten. Wonach
sehnt der so kaltschnäuzige wie wortgewandte Guy Tanon sich in der Nacht
des Weltuntergangs?« Unauffällig war ihre Hand auf seinem Arm gelandet.
Entweder hatte sie es selbst nicht gemerkt, oder sie wusste ziemlich
genau, was sie tat und wollte nur, dass Guy dachte, es sei ein Versehen.
Er glaubte an Letzteres. Diese Frau war ein feuriges Schwert.
»Nicht viel, Joanne, nicht viel. Ich möchte nur eine einzige Sache und
ich bin mir sicher, dass ich sie noch vor dem Ende bekommen werde.«
»Eine Sache also? Und die wäre?«
»Sie, Joanne! Ich möchte Sie! Seit dem ersten Tag begehre ich Sie und
ich weiß, dass ich Sie noch heute Nacht küssen werde. Das ist alles, was
ich will, wovon ich träume, während ich neben Ihnen sitze. Glauben Sie
mir, Joanne, ich mag äußerlich kühl wirken, doch innerlich bin ich
gerade aufgeregt wie ein Schuljunge.«
Joanne legte die Hand auf
den Mund kicherte leise. Ihre andere lag noch immer auf Guys Arm. »Sie
sind ziemlich vorlaut. Und unverschämt ehrlich.«
»Und das gefällt Ihnen«, fuhr Guy für sie fort.
»Vielleicht ja, vielleicht nein.«
»Ich tendiere zu ja, Joanne. Und wissen Sie was? All das ist mir nicht
mal annähernd peinlich. Und wollen Sie wissen, warum?«
Joanne
tat so, als würde sie überlegen. »Lassen Sie mich raten«, sagte sie
dann, »Sie werden morgen ohnehin nicht mehr die Gelegenheit haben, sich
für das, was Sie gesagt haben zu schämen und mir dann für den Rest Ihres
Lebens aus dem Weg zu gehen.«
»Ganz genau!«
»Barney«, rief Joanne und drehte sich weg, als hätte sie nie mit Guy geredet, »was wünschen Sie sich heute Nacht?«
»Was, ich, Ma’am? Ich bin wunschlos glücklich. Der alte Barney ist völlig im Reinen mit sich.«
»Ach kommen Sie schon!«
Barney legte das Geschirrtuch zur Seite und seufzte. »Wenn Sie schon
so unnachgiebig fragen, Ma’am, also ... es ist mir etwas peinlich.«
»Heute muss Ihnen nichts mehr peinlich sein. Keine Zeitung der Welt
wird morgen drucken, was Sie gesagt haben«, hakte Joanne weiter nach.
»Also gut, Ma’am. Ich würde gern fliegen, wissen Sie? Nicht mit
Maschinen oder einem Hexenbesen oder so, sondern mit meinen eigenen
Armen, die dann Flügel wären. Ich würde mich über die Dächer dieser
Stadt erheben wie ein Vogel. Der alte Barney würde über die Häuser
kreisen und von oben in aller Ruhe der Welt beim Untergehen
zuschauen.Und wissen Sie, was ich dann tun würde, Ma’am?«
»Nein, was, Barney? Was?«
»Ich würde meinem alten Herrn aufs Dach scheißen. Der Kerl verdient
das. Und ich finde auch, das wäre ein gelungenes Ende, Ma’am.«
»Wahrlich gelungen«, sagte Guy, worauf Joanne und er wie abgesprochen in lautes Lachen ausbrachen.
»Da kannst du einen drauf lassen«, sagte Barney. Nun lachten sie alle,
bis auf den stummen Kerl, der noch immer vor sich auf die Theke
starrte, ohne auch nur ein einziges Mal den Kopf zu heben. »Leider«,
fuhr Barney fort, »habe ich keine Flügel und kann nicht fliegen. Also
wische ich die Theke und stelle mir vor, ich könnte es. Das reicht mir,
das macht mich glücklich genug.«
»Beneidenswert!«, sagte Joanne
und stieß ein verträumtes Seufzen aus. Schweigend starrte sie in die
verrauchte Luft des Phillies hinein, als ihr der stille Fremde auffiel.
»Hey, Sie«, rief sie zu ihm hinüber. »Sie da mit dem Hut!« Der Fremde
hob den Kopf und schaute sie mit verwundertem Blick an. »Ja, Sie meine
ich. Was möchten Sie heute Nacht tun? Was ist Ihr Wunsch?«
Der
Mann räusperte sich, dann schob er seinen Hut aus der Stirn. »Was, ich?
Ich habe schon getan, was getan werden musste. Ich bin fertig.«
Joanne sah ihn verwundert an. »Fertig? Was meinen Sie mit fertig?«
Mit einer Hand wischte er sich über die Augen. Eine Träne rollte
einsam über seine Wange. »Ma’am, Sie haben vorhin gesagt, ihr Mann hätte
ein Gewehr zu Hause. Passen Sie auf, dass er Sie nicht bei dem
Techtelmechtel mit dem Kerl da erwischt.«
»Was ... also was soll das denn heißen?«, fragte Joanne empört.
»Was das heißt?«, begann der Fremde und stieß ein hysterisches Kichern
aus. »Dass ich meine Lady gerade abgeknallt habe, das heißt es. Hab sie
vor zwei Monaten mit meinem Bruder im Bett erwischt. Haben beide nicht
gemerkt, dass ich sie gesehen habe und bin dann wieder aus dem Haus
geschlichen. Aber so etwas beginnt zu kochen, wissen Sie? Das brodelt
richtig in einem. Und heute, tja, heute bin ich ... bin ich explodiert.
Ich bin rein, hab angelegt und als sie mich angeschaut hat, da ... da
hat sie noch nicht einmal überrascht ausgesehen. Jetzt liegt sie auf dem
Bett und guckt immer noch so. Nur dass überall ihr Hirn herumliegt.«
»Oh Gott, das ist ja schrecklich«, sagte Joanne hinter vorgehaltener Hand.
»Ist es, Ma’am. Und ich frage Sie, glauben Sie an Gott?«
Joanne dachte nach. »Ich ... ich weiß nicht. Wenn es einen Gott gäbe, ließe er doch die Welt nicht untergehen, oder?«
»Ich glaube an Gott, Ma’am. Ich glaube an den Himmel und ans
Fegefeuer. Ma’am, für Sie alle mag das hier so etwas wie die größte
Silvesternacht aller Zeiten sein, aber nicht für mich.« Langsam stand er
auf. Seine Augen schwammen in Tränen. Sein Blick schrie vor
Verzweiflung. »Für mich ist diese Nacht nicht weniger als das
Wartezimmer zur Hölle. Ich werde schmoren, weil ich es verdient habe.
Mit Liebe und Wut zu gleichen Teilen geh ich ins ewige Feuer und es
zerreißt mich jetzt schon. Nein Ma’am, ich bin fertig mit allem.
Fertig.« Er zog seinen Hut zurück ins Gesicht und verließ das Phillies
ohne ein weiteres Wort.
»Warten Sie doch!«, rief Joanne und stand auf. Guy hielt sie sanft zurück.
»Lassen Sie ihn«, sagte er mit ruhiger Stimme. »Das ist jetzt seine ganz eigene Geschichte.«
Joanne setzte sich wieder. »Da haben Sie vielleicht recht, aber ... Oh Guy, jetzt bin ich traurig. Tun Sie doch etwas!«
Guy dachte nach, schaute sich um, dann sah er zu Barney. Seine Augen
funkelten. »Barney, mach uns Musik, ja?« Der Barmann blickte ihn
verwundert an, dann glaubte er zu verstehen und nickte. Er ging ins
Hinterzimmer und kam mit einem Stapel Platten zurück. Eine zog er aus
ihrer Hülle und legte sie auf das Grammophon, das auf einer kleinen Anrichte
an der Wand stand. Es knisterte leise, dann sang Marlene Dietrich »Wenn
ich mir was wünschen dürfte«.
Guy packte Joanne bei den Händen.
»Was ... was haben Sie vor?«, fragte sie mit großen Augen, in denen Guy nichts als Erwartungsfreude zu erkennen glaubte.
»Joanne, wenn ich mir was wünschen dürfte, und das darf ich heute,
dann wollte ich, sie tanzten mit mir. Also tanzen Sie doch bitte mit
mir. Machen Sie mich heute Nacht zum glücklichsten Menschen der Welt!«
»Aber das ...«, begann Joanne, als Guy sie auch schon sanft durch die
Tür des Phillies auf die Straße zog. Die Musik folgte ihnen und
verwandelte die zuvor stumme Straße in einen großen Tanzsaal. Bevor
Joanne Parker auch nur mit einem weiteren Einwand beginnen konnte, hatte
sie die ersten Schritte gewagt.
»Joanne«, hauchte Guy ihr zu, »jetzt gibt es nur noch Sie und mich!«
Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und seufzte. »Ich bin so aufgeregt wie ...«
»... ein Schulmädchen?«, ergänzte Guy. »Lassen Sie uns Junge und
Mädchen sein, Joanne. Lassen Sie dies unseren Abschlussball sein!«
»Ach Guy, wissen Sie eigentlich, dass ich absichtlich vor Ihrem Haus
vorbeigegangen bin? Wieder und wieder? Ich wollte, dass Sie raus zu mir
kommen. Ich wollte Sie sehen. Immer. Und bis eben wusste ich noch nicht
einmal, dass ich so dachte.«
»Und ich wusste immer schon, dass ich Sie wollte. Immer.«
»Guy, ich bin gerade glücklich, wirklich glücklich. Aber ... ich ...
ich sollte es nicht sein. Der Mann von vorhin ... Sein Leben endet in
einer einzigen Tragödie.«
»Nicht nur seines, Liebes. Dabei sollte heute Nacht doch jeder tanzen wie wir.«
Irgendwo in entfernten Häuserschluchten brach ein lauter Knall hervor,
dann folgte ein spitzer Schrei, bevor wieder Ruhe einkehrte. Joanne
schaute Guy besorgt an. »Wie spät ist es?«
»Was?«, fragte er, als hätte sie ihn aus einem Tagtraum gerissen.
»Die Uhrzeit, Guy.«
Er warf einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr. »Wir haben noch drei
bis vier Stunden, denke ich. Dann wird es losgehen und alles wird vorbei
sein.«
»Tanzen Sie mit mir, Guy! Lassen Sie uns tanzen und alles
andere vergessen!« Ihre Augen füllten sich mit Tränen. In der nächsten
Sekunde presste Guy seine Lippen fest auf ihre. So verharrten sie.
Küssend und tanzend in dieser letzten Nacht, die sie auf Erden
verbrachten, unter dem roten Auge des letzten Mondes.
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